Wenn du dich für eine Psychotherapie entscheidest, empfehle ich dir, von Anfang an ein Therapietagebuch zu führen. Auch während einem stationären Aufenthalt in einer Psychiatrie oder einer Tagesklinik macht es Sinn. Hol dir dazu einfach ein Büchlein aus dem Schreibwarenhandel mit leeren, karierten oder linierten Seiten, welches dich optisch anspricht. Noch persönlicher ist es, das Buch selbst zu basteln oder zumindest mit Bildern zu bekleben, die du mit etwas Schönem verbindest. Hier sind deiner Phantasie keine Grenzen gesetzt. Anstatt eines Buches kannst du auch einen Ordner nehmen oder das Therapietagebuch digital auf einem Tablet führen. Wenn du nicht gerne schreibst, sind auch Tonaufnahmen möglich. Alles ist erlaubt, solange das Therapiebuch DIR gefällt und zu dir passt! Achte nur darauf, ein handliches Format zu wählen, damit du dein Tagebuch auch in die Therapiestunde mitnehmen kannst. Das Therapietagebuch ist der ideale Begleiter für die Zeit vor, während und nach der Therapie.

Was gehört in das Therapietagebuch?

Einige Therapeuten werden dich zu Therapiebeginn bitten, deine persönlichen Ziele festzulegen. Warum möchtest du die Therapie machen? Welche Probleme willst du dabei lösen? Was soll mit der Therapie erreicht werden? Es macht Sinn, das Therapietagebuch mit deinen Zielen zu beginnen. Außerdem kannst du das Therapietagebuch während den Sitzungen nutzen, um wichtige Dinge festzuhalten, die dich auf deinem Weg zur psychischen Ausgeglichenheit begleiten sollen. Umgekehrt notiere ich auch im Alltag auftauchende Gedanken oder Probleme, die ich in der nächsten Sitzung besprechen will. Auch Erfolge sollten unbedingt im Therapietagebuch festgehalten werden.

Darüber hinaus notiere ich darin auch Daten, die nicht unmittelbar mit der Psychotherapie zu tun haben. So schreibe ich zum Beispiel alle Tipps auf, die ich mal irgendwo gehört oder gelesen habe und noch ausprobieren möchte sowie inspirierende Zitate.

Das Therapietagebuch als Erfolgsmesser

Sich die Ziele der Therapie bewusst zu machen und schriftlich festzuhalten ist sehr wichtig. Denn die Effekte von Verhaltensänderungen schleichen sich meist sehr langsam in unser Leben ein und werden daher nicht immer sofort bemerkt. Schlimmstenfalls fallen sie dir gar nicht auf und du hältst die Therapie für sinnlos. Das Therapietagebuch erinnert dich immer wieder an deinen Ausgangszustand. Dann fällt dir plötzlich auf, welche Dinge du heute alle kannst, die noch vor ein paar Monaten kaum denkbar waren. Das Therapietagebuch ist also ein wichtiges Instrument, um deine persönlichen Erfolge bei der Therapie zu messen. Das ist einerseits wichtig, um deine Motivation zu stärken. Denn wenn du den Nutzen der Therapie erkennst, wirst du um so lieber weiter an dir arbeiten.

Doch auch wenn sich keinerlei Erfolge einstellen sollten, ist es sehr gut, dies über das Therapietagebuch zu erkennen. Denn dann solltest du gemeinsam mit deinem Therapeuten erkunden, woran es liegt. Dass die Therapie nicht wirkt, kann verschiedene Gründe haben. So kann es zum Beispiel sein, dass die Therapieform für deine Situation ungeeignet ist, die Wellenlänge zwischen dir und Therapeut nicht passt oder du zusätzlich zur Therapie ein Medikament benötigst. Manchmal fällt es auch schwer, sich wirklich auf die Therapie einzulassen. Ohne aktive Mitarbeit des Patienten ist die Therapie jedoch ebenfalls sinnlos.

Das Therapietagebuch während und nach den Sitzungen nutzen

Ich finde es zusätzlich sehr hilfreich, das Therapietagebuch während den Sitzungen zu nutzen und wichtige Informationen zu notieren. Manchmal sagt meine Therapeutin zum Beispiel einen sehr inspirierenden Satz, über den ich zuhause noch einmal nachdenken möchte. Außerdem schreibe ich viele Tipps mit, die ich in der Psychotherapie bekomme oder Anleitungen. Während meiner aktuellen Therapie lerne ich oft Kurzentspannungen, die ich zuhause vielleicht nicht mehr vollständig zusammenbringe. Also schreibe ich die Anweisungen in der Sitzung auf. Auf diese Weise unterstützt das Therapietagebuch die aktive Arbeit in der Therapie. Der wichtigste Teil der Psychotherapie findet nicht während den Sitzungen, sondern in deinem Alltag statt. Nur wenn du das Gelernte auch umsetzt, hat die Therapie den gewünschten Effekt. Das Tagebuch hilft dir dabei.

Stabil bleiben nach der Psychotherapie

Auch für die Zeit nach der Psychotherapie ist das Therapietagebuch eine wertvolle Stütze. Denn auch nach erfolgreicher Beendigung der Therapie sind Rückschläge möglich. In der Therapie hast du zwar gelernt, mit ihnen umzugehen. In Krisensituationen fällt einem das Gelernte jedoch nicht immer ein. Das Therapietagebuch kann dich wieder daran erinnern, welche Strategien dir bereits geholfen haben.

Bester Überblick über den Therapieverlauf

Erst meine aktuelle Therapeutin brachte mich darauf, ein Therapietagebuch zu führen. Ich bin ihr sehr dankbar dafür. Denn ich finde den Überblick über den Therapieverlauf sehr hilfreich. Ich bin immer wieder überrascht, wie leicht man doch so offensichtliche Erfolge übersieht. Außerdem sehe ich das Buch als eine Art Anleitung, auch nach der Psychotherapie stabil zu bleiben.

Führst du auch ein Therapietagebuch? Wie sind deine Erfahrungen? Ich freue mich über dein Feedback. 🙂

 

4 Kommentare

  1. Ich habe auch ein Therapietagebuch geführt und blättere nach wie vor oft darin. Jetzt ist es ja doch schon eine Zeit lang her, aber trotzdem vergesse ich gerne einzelne Ansätze. Aber ich bin ohnehin ein Tagebuchschreiber… 😀

    • Liebe Babsi, danke für deinen Kommentar.
      Dann machst du sicher desöfteren die Erfahrung, dass es guttut, sich etwas von der Seele zu schreiben, oder? Ich finde es super, dass du ein Tagebuch für deine Psychohygiene nutzt.

  2. Ich führe auch manchmal ein Therapie-Tagebuch, auch ein wenig aus Sorge, dass ich nach der Therapie nicht mehr auf das viele Wissen zurückgreifen kann. Leider lass ich es aber auch manchmal monatelang liegen und schreiben nichts rein. Hoffentlich bereue ich das später nicht.

    • Liebe Lena, danke für deinen Kommentar.
      Immerhin schreibst du ab und zu etwas auf, das ist doch auch schon sehr wertvoll. Vielleicht kannst du feste Zeiten in deinen Alltag einbauen, an denen du es nutzen magst? Zum Beispiel kurz nach einer Therapiestunde bietet es sich an, um neue Erkenntnisse zu notieren.

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