Das stimmungsaufhellende Johanniskraut wird bei leichten und mittelschweren Depressionen sowie bei Angststörungen eingesetzt. Da es relativ wenige Nebenwirkungen hat, kann es eine gute Alternative für chemische Antidepressiva sein. Doch es gibt viele Gründe, Johanniskraut nach einiger Zeit wieder abzusetzen. Im Idealfall geht es dir wieder besser und du möchtest wieder ohne das pflanzliche Medikament auskommen. Manche Menschen vertragen es auch nicht und planen deshalb, die Johanniskrauteinnahme zu beenden. Denn auch wenn bei Johanniskraut vergleichsweise wenige Nebenwirkungen auftreten, können diese belastend sein. Hinzu kommt, dass Johanniskraut sich mit einigen Medikamenten nicht verträgt und somit zum Problem werden kann. Viele fragen sich dann, ob und wie sie Johanniskraut wieder absetzen können. Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin. Ich habe Johanniskraut jedoch (nach einigen erfolglosen Versuchen in Eigenregie) mit Hilfe eines Psychiaters und meiner Therapeutin erfolgreich abgesetzt und teile gerne meine Erfahrungen mit dir.

Welche Schwierigkeiten können beim Absetzen von Johanniskraut auftreten?

Beim Absetzen von Johanniskraut können bestimmte Probleme auftreten. So kann es zum Beispiel sein, dass depressive Symptome zurückkehren und du in ein Loch fällst. Nach Aussage einiger Psychiater und Therapeuten spielt hierbei die Psyche eine wichtige Rolle. Womöglich entstehen Absetzphänomene bei Johanniskraut vor allem durch das Wissen, das Medikament nicht mehr einzunehmen. Vor allem wenn das Johanniskrautpräparat eine gute Wirkung erzielt hat, kann beim Absetzen das Gefühl entstehen, eine wertvolle Stütze aufzugeben.

Typische Absetzerscheinungen sind Albträume, Schlafstörungen, Schwindel, innere Unruhe, Reizbarkeit, Antriebslosigkeit oder Angstzustände. Bei meinen vielen gescheiterten Versuchen des Absetzens bzw. Ausschleichens überkam mich meist nach etwa zwei Wochen eine starke Müdigkeit. Den Alltag zu bewältigen fiel mir dadurch so schwer, dass ich die Dosis schließlich wieder erhöht habe. Manchmal hat mich die Reduzierung von Johanniskraut auch in eine sehr niedergeschlagene Stimmung versetzt, so dass ich mich dann doch (vorerst) dazu entschied, es weiter zu nehmen.

Wie du Fehler beim Absetzen von Johanniskraut vermeiden kannst – langsam ausschleichen

Wie schon erwähnt, habe ich einige erfolglose Absetzversuche hinter mir. Ich habe jeden Tag 90mg Johanniskraut genommen, insgesamt 1,5 Jahre lang. Mir hat es sehr gut über eine depressive Episode hinweggeholfen. Doch was habe ich beim Absetzen eigentlich falsch gemacht?

Ganz wichtig: Johanniskraut sollte man (wie chemische Antidepressiva) nicht einfach von heute auf morgen absetzen, sondern langsam ausschleichen. Die Dosis wird also in kleinen Schritten über einen längeren Zeitraum verringert. Nimm dir mindestens (!) drei Wochen Zeit, bis du den nächsten Schritt gehst, um mit der Dosierung herunterzugehen. Im Zweifelsfall bleibst du lieber ein paar Wochen länger bei einer Dosis. Eine weitere Dosisverringerung sollte man nur wagen, wenn man mit dem vorigen Schritt gut klarkommt. Um das Risiko von Absetzphänomenen bei Johanniskraut möglichst klein zu halten, ist das langsame Ausschleichen unerlässlich. In welcher Menge du die Einnahme verringerst, besprichst du am besten mit einem Psychiater. Hausärzte kennen sich damit meiner Erfahrung nach oft nicht genug aus, um dafür eine konkrete Empfehlung zu geben.

Der richtige Zeitpunkt, um Johanniskraut auszuschleichen

Um ein Johanniskrautpräparat erfolgreich auszuschleichen, ist außerdem der richtige Zeitpunkt entscheidend. Wem die dunkle Jahreszeit aufs Gemüt schlägt oder wer zur Winterdepression neigt, setzt das Johanniskraut besser im Frühling ab. Auch stressige Phasen wie eine Trennung vom Partner, erhöhte Belastung auf der Arbeit oder auch nur die Zeit vor Weihnachten sind ungünstige Zeitpunkte, um Johanniskraut auszuschleichen. Wenn du in Psychotherapie bist, warte mit dem Absetzen, bis sich dein psychischer Zustand deutlich stabilisiert hat. Sprich den richtigen Zeitpunkt am besten mit deinem Therapeuten ab.

Professionelle Wegbegleiter für das Absetzen von Johanniskraut

Meine gescheiterten Absetzversuche habe ich alle in Eigenregie umgesetzt. Erst in Absprache mit meinem Psychiater und meiner Therapeutin habe ich es geschafft, die Einnahme des Johanniskrauts erfolgreich zu beenden. Wie oben erwähnt, ist der Psychiater vor allem der geeignete Ansprechpartner für die Dosierung und den Zeitraum. Den richtigen Zeitpunkt zum Ausschleichen von Johanniskraut habe ich mit meiner Therapeutin besprochen. Außerdem kann man mithilfe eines Therapeuten besser einschätzen, ob auftretende Symptome noch vertretbar sind oder man die Dosis wieder anheben sollte und wann es Zeit für den nächsten Dosierungsschritt nach unten ist.

Mein Fazit zum Absetzen bzw. Ausschleichen von Johanniskraut

Mit professioneller therapeutischer Unterstützung ging das Ausschleichen erstaunlich gut. Hätte ich diese sofort in Anspruch genommen, hätte ich mir einige erfolglose Versuche gespart. Aber okay, Erfahrung macht klug. 😉 Und ich kann meine Erfahrung mit dir teilen und womöglich hilft sie dir sogar weiter. Schreib mir doch gerne im Kommentarfeld, welche Probleme dir das Absetzen von Johanniskraut gerade bereitet oder wie du es geschafft hast.

12 Kommentare

  1. Hallo Nadja,
    ich sammle selbst gern Johanniskraut und trockne es dann für meinen abendlichen Tee. Das es zu leichten Absetzphänomenen kommen kann, war für mich auch neu. Ich nutze es um besser einzuschlafen und fühle mich auf morgens deutlich wacher 🙂
    Ich denke eine Tasse am Abend kann ich sicher bedenkenlos trinken. Es hat ja auch noch mehr sehr gute Gesundheitseffekte wie Antioxidantien, Förderung der Durchblutung und Konzentration 🙂

    LG Martin

  2. Hallo, ich hatte noch nie Probleme. Wenn es mir mal nicht so gut gehen sollte, dann nehme ich sie wieder und konnte sie bisher auch ohne Probleme absetzen. Nebenwirkungen habe ich auch keine gemerkt. Ist wahrscheinlich so wie bei Medis generell: Jeder reagiert unterschiedlich.

    • Ich hätte nicht gedacht, welche Schwierigkeiten beim Absetzen alles auftauchen können. Das Thema Johanniskraut habe ich schon ein paar Male gelesen, allerdings ehrlih gesagt nie weiter damit beschäftigt.
      Vor allem finde ich den Bereich gut, in dem beschrieben steht, welcher Zeitpunkt dafür geeignet ist und vor allem der professionelle Wegbegleiter.

  3. Bei Medikamenten gibt es ja immer Risiken, aber bei natürlichen Mitteln sind sie ja oft eher harmlos im Vergleich zu den synthetischen.

  4. Eine Bekannte von mir hat mittlerweile 2x versucht Johanniskraut abzusetzen. Beim ersten mal hat sie das viel zu schnell gemacht – Sie sprach davon, dass sie alle 3-4 Tage die Dosis verringert hat. Wie erwartet und von dir auch beschrieben kehrte die Depression relativ schnell wieder zurück.

    Beim zweiten mal hat sie nen Therapeuten aufgesucht, der sie durch den Prozess begeleitet hat. Sie hat sich viel mehr Zeit gelassen als beim ersten mal und war auch schon mental darauf vorbereitet. Sie meinte, dass im nachinein gesehen, der Therapeut nur eine mentale Stütze beim absetzen war, eine Art Sicherheit, falls was nicht so laufen sollte, wie geplant. Das ganze war vor 2 Jahren zu Ende – bis jetzt scheint es ihr sehr gut mit sich selbst zu gehen.

    Liebe Grüße,
    Hans

    • Lieber Hans,
      danke für deinen Kommentar.
      Dann ging es deiner Bekannten ja ähnlich wie mir. Alle 3 Tage die Dosis zu verringern halte ich auch echt für zu schnell. Aber freut mich, wenn es ihr nun besser geht. 🙂
      Liebe Grüße,
      Nadja

  5. Hallo,

    vor ein paar Tagen habe ich auch gerade erst über Johanniskraut gebloggt. Zumindest als eine von vielen Möglichkeiten zur Behandlung von psychischen Problemen u.a. Depressionen. Ich hatte damals alle chemischen Antidepressiva sowie sonstige Psychopharmaka abgelehnt als ich unter schweren Depressionen mit einigen psychosomatischen Symptomen litt. Das Ganze entstand durch einen Burnout der sich viele Jahre aufgebaut hatte. Wenn ich wirklich absolut nicht mehr gekonnt hätte, dann wäre Johanniskraut das einzige gewesen was ich genommen hätte. Aber auch das hatte ich abgelehnt, zumindest als Konzentrat/Extrakt.
    Heute bin ich wieder gesund. Gesünder als vor dem Burnout und auf jeden Fall auch viel glücklicher. Das war ein riesen Schritt nach vorne. Nein eher ein Sprint nach vorne und ich bin Dankbar das ich die Chance bekommen habe.

    Lieben Gruß
    Marco

    • Lieber Marco,
      danke für deine Erfahrungen. Ich kann gut verstehen, dass du Psychopharmake für dich abgelehnt hast.
      Freut mich sehr, dass es dir heute wieder gut geht. 🙂
      Was hat dir denn dabei geholfen, gesund zu werden?
      Liebe Grüße,
      Nadja

      • Hallo Nadja,
        das war eine Kombination aus vielen einzelnen Maßnahmen, die Hypnoseklinik in der ich war, die tägliche Meditation seit Mitte 2017, Qi Gong, sehr viel in die Natur gehen, radikale Ernährungsumstellung, Nahrungsergänzungsmittel mit regelmäßigen Bluttests beim Arzt ob die Werte passen, Achtsamkeitsübungen und vor allem viel Wissen aneignen und umsetzen… Es waren noch ein paar Dinge mehr, aber das sprengt den Kommentar 🙂

        LG
        Marco

  6. Hallo, hätte gar nicht gedacht, dass Johanniskraut so abhängig machen kann.

    Ich denke in der Gesellschaft wird das Kraut immer noch akzeptiert und nicht als gefährlich angesehen.

    Gibt es denn genauere Zahlen darüber, wie viele Personen in Deutschland abhängig sind?

    LG Klaus

    • Lieber Klaus,
      danke für deinen Kommentar.
      Johanniskraut macht nicht süchtig und ich halte es auch nicht für gefährlich. Du darfst Absetzphänomene nicht mit einer Sucht verwechseln. Wenn man süchtig ist, muss man die Dosis immer wieder steigern. Dies ist bei Johanniskraut nicht der Fall. Aber es gibt eben einfach Medikamente, die man langsam absetzen muss.
      Liebe Grüße,
      Nadja

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