Panikattacken sind mitunter sehr kreativ, sich in den unterschiedlichsten Symptomen auszudrücken und uns zu quälen. Manchmal ist es daher schwer, sie überhaupt als solche zu erkennen. Hyperventilation ist jedoch ein sehr typisches Symptom für Panikattacken.

Was passiert bei der Hyperventilation?

Hyperventilation tritt meist im Zusammenhang mit intensiven Gefühlen wie Angst, Ärger oder Aufregung auf. Dabei atmen wir zu schnell und zu tief. Dadurch nehmen wir zu viel Sauerstoff auf und atmen zu viel Kohlendioxid aus. Auch wenn es sich so anfühlt, als würde man keine Luft bekommen, kommt es viel mehr zu einer Überbelüftung der Lunge. Der ph-Wert des Blutes steigt an, wodurch es zu unterschiedlichen Symptomen kommen kann.

Wie äußert sich eine Hyperventilation?

Die Hyperventilation äußert sich vor allen Dingen in einer Atemnot. Sie gibt einem das Gefühl, nicht ausreichend durchatmen zu können. Dies kann sehr beängstigend sein und zu Panikgefühlen führen.

Typisch für eine Hyperventilation sind außerdem kribbelnde Finger, die sich irgendwann bis zur sogenannten Pfötchenstellung verkrampfen können. Auch die Füße oder Lippen können anfangen zu kribbeln.

Außerdem kann die Hyperventilation mit Schwindelgefühlen, Herzrasen, Beklemmungsgefühlen und einer verzerrten Wahrnehmung einhergehen. Auch Unwirklichkeitsgefühle, Angst verrückt zu werden, verschwommenes Sehen, eine verwaschene Sprache oder Zittern können auftreten.

Ist die Hyperventilation bei Panikattacken gefährlich?

Das Problem bei Panikattacken und der Hyperventilation ist vor allem die Angst vor dem nächsten Anfall (also die Angst vor der Angst). Wenn du jedoch richtig damit umgehen lernst, wird diese Angst kleiner und auch die Attacken kommen seltener oder treten schwächer in Erscheinung. Hyperventilation und Panikattacken sind kleine Diven, die Aufmerksamkeit brauchen. Je weniger du sie beachtest, desto weniger gefällt es ihnen bei dir.

Mach dir bewusst: Eine Hyperventilation ist in den meisten Fällen nicht gefährlich. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als würde man zu 100% gleich das Bewusstsein verlieren, passiert dies recht selten bei einer Hyperventilation. Sobald du wieder normal atmest, legen sich die Symptome wieder innerhalb weniger Minuten.

Meist liegen einer Hyperventilation Stress oder Ängste zugrunde. Tritt sie zum ersten Mal auf, empfehle ich dir jedoch, einen Arzt aufzusuchen. Denn manchmal gibt es auch körperliche Ursachen, die ausgeschlossen werden sollten.

Was hilft akut bei Hyperventilation?

Ich rate dir ab, Beruhigungsmittel bei Hyperventilation oder Panikattacken anzuwenden. Viele Medikamente in dieser Richtung haben ein großes Suchtpotential. Außerdem gibt es gute Strategien, die Attacken selbst zu bewältigen.

Wie ich immer wieder erwähne, gilt auch hier: Nicht jeder Tipp eignet sich für jeden und auch nicht in jeder Situation. Daher rate ich dir, mehrere Wege auszuprobieren. Achte auf dich, was dir guttut. Und eigne dir eine Auswahl an, um im Notfall noch andere Strategien zu nutzen, falls eine mal doch nicht wirken sollte.

Atemübungen wie die Lippenbremse sollte man am besten ein paar Mal im entspannten Zustand üben, bis sie tatsächlich wirkungsvoll bei einer Hyperventilation eingesetzt werden. Atme ganz locker durch die Nase ein und dann durch den Mund wieder aus. Wichtig ist, dass der Mund leicht gespitzt ist, in etwa wie wenn du Trompete spielen wolltest. Die Lippen sollten dabei nur einen kleinen Spalt geöffnet sein. Achte aber darauf, die Luft nicht herauszupressen. Ganz wichtig ist hierbei auch, länger auszuatmen als einzuatmen. Ich zähle beim Einatmen immer bis drei und beim Ausatmen dann von vier bis ungefähr zehn. Aber das sind natürlich nur Richtwerte. Achte darauf, wie es dir angenehm ist. Mach nach dem Ausatmen eine kurze Atempause.

Eine etwas einfachere Atemübung ist, die Hand auf den Bauch zu legen. Dies kannst du im Liegen oder auch Sitzen durchführen. Dann versuchst du wieder, beim Einatmen bis drei zu zählen und beim Ausatmen von sieben bis zehn. Spüre mit der Hand auf dem Bauch deiner Atembewegung nach.

Eine weitere Möglichkeit ist das Atmen in eine Tüte. ACHTUNG, diesen Tipp bitte nur ausprobieren, wenn keinerlei körperliche Ursache für die Hyperventilation vorliegen! Und die Tüte keinesfalls komplett über den Kopf ziehen. Nimm eine Papiertüte zur Hand und atme circa zehn Atemzüge in die Tüte ein und aus. Versuche danach wieder ohne Tüte zu atmen. Bei Bedarf alles wiederholen. Hast du keine Tüte zur Hand, kannst du auch stattdessen mit den Händen Nase und Mund umgeben.

Was hilft langfristig bei Hyperventilation?

Wenn du dir Strategien wie Atemübungen aneignest, wirst du immer mehr das Gefühl haben, dir selbst bei einer Panikattacke mit Hyperventilation helfen zu können. Dadurch nimmt die Angst vor dem nächsten Anfall ab und womöglich verringert sich auch die Häufigkeit der Panikattacken.

Während stressigen Phasen ist Hyperventilation relativ normal. Tritt sie jedoch darüber hinaus noch auf und körperliche Ursachen wurden ausgeschlossen, kann eine Angststörung dahinterstecken. In dem Fall rate ich dir, die Ursachen der Hyperventilation in einer Psychotherapie anzugehen.

Auch alle Arten von Stressabbau können dich dabei unterstützen, Hyperventilieren und Panikattacken in den Griff zu bekommen. Dazu zählen zum Beispiel Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Meditation. Auch regelmäßiger Sport ist ideal, um wieder in die eigene Mitte zu finden.

13 Kommentare

  1. Guter Beitrag. Mir ging das auch so, bis ich die Klopftechnik kennen gelernt habe. Danach habe ich diese Panikattacken nach und nach besser in den Griff bekommen und konnte auch meiner Freundin dabei helfen besser zur Ruhe zu finden.

  2. Hallo, ich bin durch Zufall auf diesen Blog gestoßen und finde ihn sehr interessant. In meinem Bekanntenkreis gibt es auch zwei Personen die Panikattacken hatten. Ich selber war zum Glück noch nicht in einer solchen Situation. Ich hatte wohl mal Ängste. Aber die würde ich jetzt nicht so als schwerwiegend eingruppieren. Letztendlich wird die sicherlich jeder mal gehabt haben.

  3. Ich habe zum Glück meine Panikattacken einigermassen in den Griff beommen bzw habe gelernt damit umzugehen. Das mit dem hyperventilieren kenne abeer ich nur all zu gut. Für mich gab es einen Schlüsselmoment und zwar hatte ich irgendwo mal gelesen „ausatmen statt einatmen“ einatmen macht der Körper von alleine aber das ausatmen geht manchmal unter, nicht erst wenn die Panikattacke bereits da ist sondern meist schon länger davor, seitdem konzentriere ich mich bewusster auf das aufatmen und das hat mir sehr viel gebracht

  4. Ich kenne auch einen Mann der öfters mal unruhig wird und in Panik gerät. Meistens passiert es dort wo viele Menschen sich versammel.
    Er bekommt sogar Schweiß Ausbrüche.
    Ich habe ihm angeboten zum Psychologen zu gehen und ihm über die Panikattacken zu berichten.
    Mal sehen wie es weitergeht.
    Grüße

  5. Sobald ich eine Panikattacke bekomme, verwende ich die Klopftechnik. (Klopfe mir dann auf mittig auf die Brust. Nach 2 Minuten geht es mir jedes mal besser.

  6. Ich habe unter einem anderen Artikel schon mal von der Wim Hof-Atemmethode gesprochen. Diese kann ich auch hier empfehlen. Bei der Methode wird künstlich Atemnot und Hyperventilation erzeugt, was zumindest bei mir (und laut Erfahrungsberichten auch bei vielen anderen) dazu führt, dass man in Stress- oder Paniksituationen besser die Kontrolle über seine Atmung und entsprechend über seine Emotionen behält. Emotionen wie z.B. Angst verändern die Atmung. Das wird auch den jüngen Mönchen in buddhistischen Klostern mit als erstes gelehrt. Und natürlich wird ihnen auch gelehrt, wie sie die Kontrolle über ihre Emotionen behalten können – nämlich durch die richtige Atmung.

  7. Hey Nadja,

    meine Freundin hat auch heftige Panikattacken. Erst fängt es mit Zittern an, bevor sie dann zu hyperventilieren beginnt. Sie hat jetzt schon einiges ausprobiert, aber es hilft da nicht wirklich viel. Bei ihr wirkt am besten die Atemtechnik, mit der sie dann zur Ruhe kommt. Für mich ist es nicht immer einfach anzusehen, weil sie in den Momenten dann sehr darunter leidet. Aber ich bin froh, dass man es in den Griff bekommen kann.

  8. Mein bester Freund hat auch öfter mal Panikattacken und hat Phasen, in denen er sehr unruhig ist. Ich werde ihm den Beitrag mal weiterreichen, vielleicht hilft es ihm ja.

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