Sicherlich bist du dem derzeit sehr präsenten Thema Achtsamkeit auf dem einen oder anderen Weg bereits begegnet. Wer es nur für einen vorübergehenden Trend oder gar Esoterik hält, hat jedoch unrecht. Wenn auch du psychische Ausgeglichenheit anstrebst, kann es sich lohnen, dich mit Achtsamkeitsübungen auseinanderzusetzen. Auch wenn das Konzept eine zentrale Rolle im Buddhismus spielt, musst du keineswegs religiös sein (oder werden), um es für dich zu nutzen.

Doch was ist Achtsamkeit eigentlich? Achtsamkeit bedeutet, jeden Moment bewusst wahrzunehmen. Wenn du die Küche fegst, fegst du die Küche. Klar, was denn sonst? 😉 Aber mal ehrlich: Wann warst du denn das letzte Mal so wirklich mit Kopf und Herzen im Hier und Jetzt? Wie oft bist du in Gedanken bereits beim nächsten Punkt der To-Do-Liste, bevor der aktuelle erledigt ist? Wie oft wartest du einfach nur noch auf den Feierabend, während du deine alltäglichen Aufgaben im Zombiemodus erledigst? Wie oft grübelst du über die Vergangenheit und träumst von einer besseren Zukunft, anstatt wirklich am Leben teilzunehmen?

Mit der Achtsamkeit übst du, wieder ganz im Hier und Jetzt zu sein, dem Moment mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Du nimmst dabei ganz bewusst deine Umwelt wahr, wie sie ist, ohne sie zu bewerten. Auch der eigene Atem, Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle werden in der Achtsamkeitspraxis ohne Beurteilung wahrgenommen. Auch wenn es erstmal simpel klingt, sollte man die Effekte von regelmäßiger Übung in Achtsamkeit nicht unterschätzen. Wenn du ganz bei dir selbst und im Hier und Jetzt ankommst, kannst du deinen Alltag in einer stärkeren Intensität erleben. Es gibt keine wichtigere Zeit als die Gegenwart. Wenn du dich jedoch abhetzt, bist du mit Gedanken immer schon in der Zukunft, die ja aber noch gar nicht gekommen ist. Und dann verpasst du schöne Dinge in der Gegenwart, weil du sie gar nicht wahrnimmst.

Was bringt die Achtsamkeit für die psychische Ausgeglichenheit?

Die positive Wirkung von Achtsamkeit ist in zahlreichen Studien wissenschaftlich belegt und wird mittlerweile auch in der Psychotherapie eingesetzt. Wichtige Einsatzgebiete der Achtsamkeit sind zum Beispiel:

  • Stress
  • Depressionen
  • Burn Out
  • Ängste
  • Chronische Schmerzen
  • Konzentrationsprobleme
  • Schlafstörungen

Wie fange ich an, Achtsamkeit im Alltag zu integrieren?

Achtsamkeit lässt sich ganz einfach in nahezu jeder Situation anwenden. Du kannst zum Beispiel damit beginnen, auf deinen Atem zu achten. Ist er flach, tief, langsam oder schnell? Aber wie gesagt, es geht nur um die Beobachtung, ohne Bewertung. Danach kannst du einen Body Scan durchführen. Dabei lenkst du deine Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Regionen deines Körpers: Wie fühlt es sich dort an? Natürlich gibt es dabei auch kein Richtig oder Falsch. Du fühlst eben, was da ist.

Insbesondere auch beim Essen ist die Anwendung von Achtsamkeit eine wunderbare Erfahrung. So kannst du die Lebensmittel vor dem Verzehr genauer ansehen, berühren, fühlen, riechen und schließlich genau auf alle einzelnen Komponenten ihres Geschmacks achten. Auch beim Genießen von Essen lässt sich durch Achtsamkeit eine völlig neue Qualität erfahren. Netter Nebeneffekt: Du bist schneller satt. Aber setze dich nie unter Druck, wenn du Achtsamkeit praktizierst. Wenn du sehr hungrig bist oder dich daran gewöhnt hast, dein Essen in Nullkommanichts zu verschlingen, dann reicht es auch erstmal aus, nur die ersten Bissen ganz bewusst wahrzunehmen.

Auch bei der Arbeit ist der Einsatz von Achtsamkeit sehr wertvoll, um konzentriert zu bleiben und Fehler zu vermeiden. Doch auch um in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, macht es Sinn, alle Aufgaben achtsam umzusetzen.

Auch unter der Dusche, bei einem schönen Spaziergang oder der Hausarbeit kannst du dich in Achtsamkeit üben.

Erlebe die Magie des Augenblicks

Ich bin sicher keine erleuchtete Achtsamkeitsexpertin und auch immer noch am Üben. So hetze ich mich noch oft genug durch den Alltag oder träume mich weg. Aber ich habe immer mehr das Gefühl, dadurch mein eigenes Leben zu verpassen. Für mich bedeutet Achtsamkeit, das Leben in einer ganz neuen Dimension erfahren zu dürfen. Durch die Magie des Augenblicks wird der Alltag spannender und bunter. Ok, ich kann verstehen, wenn du jetzt etwas skeptisch guckst. 😀 Aber wer weiß, vielleicht tut es dir genauso gut wie mir und vielen anderen. Probier es einfach aus.

 

22 Kommentare

  1. Tolle Tipps, Nadja!

    Vor allem der Bodyscan ist ein wahrer „Game-Changer“.

    In der heutigen Zeit werden wir permanent von den verschiedensten Stimuli abgelenkt.

    Dabei spielt vor allem Stress eine essenzielle Rolle.

    Was vollkommen zu kurz kommt: Wie WIR uns eigentlich fühlen.

    Und ehe wir uns versehen, liegen wir krank im Bett – weil wir jegliche Signale unseres Körpers unterdrückt haben oder unseren Empfindungen gegenüber zu unsensitiv waren.

    Achtsamkeit hilft, um genau das zu preventieren.

    • Lieber Ümit,
      danke für dein Feedback.
      Stimme ich dir total zu, genau. Wenn ich achtsam bin, spüre ich viel eher, was mir nicht guttut und wann ich eine Pause brauche. Höre ich hingegen gar nicht in mich hinein, sendet mir mein Körper womöglich stärkere Signale, die sich dann in Krankheit äußern, um gehört zu werden.
      Liebe Grüße,
      Nadja

  2. Ich bin selbstständig und kenne das Phänomen, ich bin gedanklich auch immer zwei, drei Schritte weiter und wenn man dann mal runter kommt merkt man erst wie einen das stresst und ich habe für mich bis jetzt keinen Weg gefunden aus diesem Kreis auszubrechen und stehe quasi immer unter Strom. Es ist echt schwierig für mich da abschalten zu können.
    Ich werde aber mal versuchen deine Ratschläge zu beherzigen und hoffe das es klappt

    Viele Grüße
    Basti

    • Lieber Basti,
      das Schöne an den Achtsamkeitsübungen ist ihre Einfachheit. Eigentlich sind sie simpel und man kann sie in nahezu jeder Situation anwenden, ob man nun arbeitet, Hausarbeit erledigt oder Freizeitbeschäftigungen nachgeht…
      Ich wünsche dir viel Erfolg damit. Kannst ja gerne nochmal schreiben und erzählen, wie es geklappt hat. 🙂
      Liebe Grüße,
      Nadja

  3. Da fühlt man sich doch schon ein wenig ertappt 😀
    Ich hatte sehr lange Zeit mit Alkohol und Drogen zu tun habe es aber glücklicherweise geschafft davon los zu kommen, auch wenn es ein schwerer Weg war bin ich glücklich ihn gegangen zu sein. Mir hat damals nur Ablenkung geholfen, ich durfte nicht zur Ruhe kommen. Also hab ich gearbeitet bis zum umfallen und bin dann so in ein anderes Muster gefallen um nicht ins alte Muster zu fallen. Durch gute Freunde, die mich quasi immer wieder zum runter fahren und entspannen „gezwungen“ haben, konnte ich auch das mehr oder weniger in den Griff bekommen. Mittlerweile habe ich meine regelmäßigen Elektro und Social-Media Detoxphasen und bin einfach nur in der Natur unterwegs, geniesse mein Bierchen im Biergarten usw und merke wie mich das einfach entschleunigt.

    • Lieber Christopher,
      das ist wirklich toll dass du es geschafft hast, davon loszukommen und nun einen gesünderen Weg eingeschlagen hast. Freut mich immer sehr, sowas zu lesen. Und ist immer wieder eine Bestätigung für die Wirksamkeit von Achtsamkeit.
      Alles Gute weiterhin!
      Liebe Grüße,
      Nadja

  4. Kann ich nur bestätigen habe mir vor 2 Jahren 2 Hunde gekauft und bin seit dem oft draußen in der Natur unterwegs und weiss es zu schätzen.
    Lg Kalle

    • Lieber Kalle,
      das ist natürlich super, weil man mit den Hunden eh regelmäßig raus muss. Spaziergänge in der Natur tun mir auch unglaublich gut und ich denke mir jedes Mal, „solltest du öfter machen“. Vielleicht brauche ich auch einen Hund. 😀
      Liebe Grüße,
      Nadja

  5. Hallo Nadja,
    ich hatte Langezeit Probleme mit dem Alkohol und das Leben ist nur so an mir vorbeigerauscht. Jetzt nehme ich jeden Tag viel bewusster wahr und kann mich deinen Eindrücken nur anschließen.

    • Lieber Bastian,
      das freut mich sehr, dass du nun viel gesündere Wege für dich gefunden hast. Von dem Alkohol loszukommen ist bestimmt nicht einfach. Umso wichtiger sind geeignete Strategien, das Leben zu genießen.
      Liebe Grüße,
      Nadja

  6. Hey Nadja,

    toller Artikel! Du hast recht damit, dass man möglichst immer bewusst bei dem sein sollte, was man gerade tut und nicht schon ein paar Schritte weiter (oder zurück) ist. Und obwohl es nicht immer leicht fällt, kann man es lernen. Während ich diesen Kommentar schreibe, tue ich nur das – den Kommentar schreiben. Dadurch, dass ich mich komplett darauf einlasse, komplett darin vertiefe, erfahre ich selbst in so einer „einfachen“ Tätigkeit unheimliche Fülle. Das ist das Wunderbare am Achtsamsein: selbst das Gewöhnliche wird plötzlich zu etwas Besonderem.
    Mir selbst hat das Monotasking sehr geholfen, um Achtsamkeit in meinem Alltag zu kultivieren. Sonst habe ich immer mehrere Dinge gleichzeitig gemacht, nun mache ich nur eine Sache und gebe ihr dafür meine ganze Präsenz. So erfahre ich das Leben viel intensiver, da nichts in Hektik und Stress verloren geht.

    Liebe Grüße,
    Valentin

    • Lieber Valentin,
      das hast du sehr schön ausgedrückt mit der Fülle. Ich finde den Vorteil der Achtsamkeit nämlich gar nicht so einfach zu erklären, eigentlich muss man es selbst ausprobieren und erleben. Aber du bringst es auf den Punkt.
      Ich hatte früher einen Job mit sehr viel Multitasking und als ich ihn gekündigt hatte, habe ich bemerkt, wie oft ich eigentlich sogar in meiner Freizeit selbst Multitasking betreibe (obwohl es mir im Job so verhasst war). 😀
      Seitdem mache ich auch viel mehr Monotasking.
      Liebe Grüße,
      Nadja

  7. Jetzt wo ich deinen Beitrag gelesen habe und ich mal bewusst darauf geachtet habe muss ich ja eingestehen das ich da genauso bin und gedanklich immer schon zwei Schritte weiter bin. Es wird bestimmt schwer dieses Verhalten zu ändern aber ich werde es mal versuchen. Wenn ich mal Ruhe brauche fahre ich auch in die Natur aber eher weniger in einen Wald oder Park sondern eher an einen See oder an den Rhein, setze mich ans Ufer und gucke einfach aufs Wasser. Ich finde das hat etwas extrem beruhigendes Wasser zu sehen und zu hören. Danach geht es mir auf jeden Fall eine kurze Zeit besser, bis ich wieder in das bekannte Muster falle.

    Liebe Grüße
    Basti

    • Lieber Basti,
      auch wenn man geübt ist, fällt man sicherlich immer wieder mal in alte Muster. Aber man erkennt es immer früher, wenn man sich durch den Alltag hetzt und kann dann achtsam gegensteuern.
      Stimmt, Wasser finde ich auch sehr beruhigend. Bachgeplätscher oder Meeresrauschen zuzuhören ist wirklich schön.
      Ich wünsche dir viel Freude beim Üben von Achtsamkeit.
      Liebe Grüße

    • Lieber Enrico,
      habe von dem Autor schon öfter gehört, werde mir das Buch auf jeden Fall anschauen, danke für den Tipp. 🙂
      Liebe Grüße

  8. Oops, irgendwie fühl ich mich gerade ertappt. Ich warte auch viel zu oft auf den Feierarbend, dann auf das Wochenende, dann auf den Sommer, usw. Als ob es kein Leben dazwischen gäbe. ich frag mich auch dann auch oft, wozu das Ganze? Was soll das überhaupt. Die Gegenwart mehr wahrzunehmen und dadurch das Leben wieder zu ERleben, ist ein interessanter Gedanke.

    • Liebe Katinka,
      es freut mich, wenn ich dich zum Nachdenken bringe. 😉
      Ja, ich denke, wenn man immer auf einen besseren Moment wartet, verpasst man letztlich das Leben.

  9. Eine schöne Übung für mich, ist dabei immer wieder ein Spaziergang in der Natur. So hole ich mich zurück, wenn ich merke, dass ich gestresst und gehetzt bin und den Augenblick nicht mehr wahrnehme. Ich versuche dann das, was um mich geschieht, ganz bewusst wahrzunehmen. Sei es ein Vogel, der vorbei fliegt. Sei es ein Blatt, das vom Baum fällt. Irgendwas passiert immer. LG Andree

    • Lieber Andree,
      stimmt, in die Natur zu gehen finde ich auch immer sehr beruhigend und inspirierend. Oder wenn die Natur zu mir kommt. Dieses Jahr haben Kohlmeisen auf meinem Balkon genistet. War auch sehr schön, zu beobachten. 🙂

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