Einige Zeit lang arbeitete ich im Vertrieb in einem Großraumbüro. Sowohl der Lärmpegel als auch der ständige Druck, noch mehr zu verkaufen, waren für mich belastend. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das gemeine Monsterchen Angst mit all ihren Facetten wiederauftauchte. Wenn du regelmäßig im Büro von Panikattacken heimgesucht wirst, solltest du dich vielleicht fragen, ob dir dieser Arbeitsplatz langfristig guttut. Andererseits können natürlich auch aus privaten Gründen Panikattacken im Büro auftreten. Solange wir also noch auf den Traumjob, Therapieplatz oder die Lösung eines Konflikts warten, müssen wir eben noch durchhalten. Daher teile ich mit dir meine Tipps, die mir bei Panikattacken im Büro geholfen haben:

  1. Atemübungen: Atme ganz locker kurz durch die Nase ein und dann durch den Mund lange aus. Du kannst zum Beispiel beim Einatmen bis drei zählen und beim Ausatmen bis sieben. Das ist aber nur ein Richtwert und muss natürlich nicht eins zu eins umgesetzt werden, wenn es für dich unangenehm ist. Dann achte einfach nur darauf, länger auszuatmen. Mach nach dem Ausatmen eine kleine Pause. Aber auch hier bitte nur so langem wie es dir angenehm ist und nicht, bis du vom Bürostuhl kippst. 😉
  2. Kaugummi: Durch die Kaubewegungen lässt sich der Stress etwas abbauen. Außerdem kannst du dich durch das Kauen eines Kaugummis etwas ablenken. Okay, im Büro wollen oder müssen wir manchmal professionell wirken. Vor wichtigen Telefonaten oder Gesprächen mit deinem Vorgesetzten rate ich dir daher, den Kaugummi besser wegzulassen.
  3. Wasser: Auch ein erfrischendes Getränk kann während einer Panikattacke hilfreich sein. Ich hatte im Büro immer eine 1,5 Liter Flasche dabei. Vor allem wenn du durch die Angst leicht ins Schwitzen kommst, ist es wichtig, Flüssigkeit zu dir zu nehmen. Außerdem hatte Wasser immer eine beruhigende Komponente für mich. Denn ich bildete mir während den Panikattacken immer gerne ein, sofort umzukippen. Durch das Trinken hatte ich das Gefühl, meinen Kreislauf zu unterstützen und somit einer Ohnmacht vorzubeugen.
  4. Progressive Muskelentspannung: Im Büro ist es meist nicht möglich, das komplette Programm der PME durchzuführen. Musst du auch gar nicht. Es reicht nämlich schon, wenn du nur ein paar Übungen machst, die sich eben gut im Sitzen umsetzen lassen. Du kannst zum Beispiel die Hand zur Faust ballen, kurz anspannen und danach entspannen und nachspüren. Wenn du diese Übung lieber nicht vor den Augen deines Chefs oder den Kollegen machen willst, nimm dir eine kurze Auszeit auf der Toilette. Ja, auch Kurzentspannungen von 5 Minuten haben einen Effekt, der nicht zu unterschätzen ist.
  5. Bewegung: Wenn du dich bewegst, baust du die Stresshormone ab. Daher ist es ratsam, in der Mittagspause einen kleinen Spaziergang zu machen anstatt in der Kantine zu sitzen. Auch die Zeit während Telefonaten muss nicht stillsitzend im Bürostuhl verbracht werden.
  6. Notfallmedikament in der Tasche: Ob du dir ein Beruhigungsmittel von deinem Arzt verschreiben lässt oder auf pflanzliche Mittel wie Baldrian oder Rescue-Tropfen (Bachblüten) schwörst – mir hat es oft schon geholfen, ein Notfallmedikament einfach nur dabei zu haben. Mein vom Arzt verschriebenes Beruhigungsmittel nehme ich nur äußerst ungern, da es mich sehr müde macht, was im Büro nicht wirklich der Idealzustand ist Aber zu wissen, ich habe es in meiner Tasche, war für mich ungemein beruhigend.
  7. Kollegen oder Vorgesetzte einweihen: Bei einem ungünstigen Betriebsklima kann es schwerfallen, darüber zu reden. Nach meiner Erfahrung treten die Panikattacken jedoch stärker und häufiger auf, wenn ich sie verheimlichen will. Denn die Angst, jemand könnte zum Beispiel beim nächsten Teammeeting etwas bemerken, kann bereits eine große Anspannung hervorrufen. Wenn Kollegen oder Chefs aber bescheid wissen, gewöhnen sie sich daran und schenken deinen Attacken weniger Aufmerksamkeit. Auf diese Weise kann sich auch die Panik vor dem nächsten Anfall verringern. Falls es dir unangenehm ist, musst du das Problem Panikattacke nicht konkret benennen. Du könntest zum Beispiel erzählen, dass du in Stresssituationen zu Schwindelattacken, Atemnot (oder wie auch immer sich die Angst bei dir äußert) neigst und sich keiner Sorgen machen braucht.

Fazit

Wenn du die für dich passenden Skills gefunden hast, wirst du merken, dass du Panikattacken im Büro nicht hilflos ausgeliefert bist. Die Angst vor der Angst wird kleiner, da du ihr etwas entgegensetzen kannst. Ich wünsche dir, dass du die für dich geeigneten Strategien findest, um dich wieder besser auf deine Arbeit zu konzentrieren.

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für deinen tollen Artikel! Er hilft mir wirklich weiter! Habe selber Probleme mit Panikattacken, nicht nur im Büro, sondern häufig morgens vor der Abreit… ich denke ich muss mein Leben etwas Umstellen in Zukunft. Aus deiner Website ziehe ich sehr viel Kraft dafür!

    • Liebe Ursula,
      das freut mich sehr, wenn dir meine Tipps helfen. Hast du schon eine Ahnung, was du in deinem Leben ändern möchtest?

  2. Ich kenn das nur zu gut mit den Panikattacken. Ich hatte bis jetzt zum Glück nur eine im Büro. Nach ca. 4 Monaten nach Beginn meiner neuen Tätigkeit. Mir ist es sehr unangenehm, wenn mir Fehler unterlaufen und an dem Tag sind mir gleich mehrere hintereinander passiert. Es wurde einfach alles zu viel und ich habe hyperventiliert und bin kurz darauf in Tränen ausgebrochen.

    • Ja, ich denke das ist ganz typisch, dass die Angst davor, Fehler zu machen, eine Panikattacke hervorrufen kann. Vor allem wenn man noch neu im Unternehmen ist. Da setzt man sich noch mehr unter Druck. Aber gut, wenn dir das mit der Panikattacke im Büro erst einmal passiert ist.

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